Montag, 18. September 2017

" Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky - Rezension

Dieses Buch ist mir von verschiedenen Seiten auf den sozialen Medien begegnet und die allgemeine Begeisterung hat mich neugierig gemacht.
Die Tatsache, dass ich in der geographischen Nähe des Handlungsortes lebe, die Geschichte spielt im Westerwald (die Buchhändlerin preist es als lokalen Titel an), war ebenfalls ein Kaufaspekt.



" Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky ist am 18.07.2017 im Dumont Verlag erschienen und umfasst 316 Seiten.

Zum Inhalt:

In einem Dorf im Westerwald stirbt immer jemand, wenn Selma nachts von einem Okapi träumt. Das bringt das Dorf natürlich in große Aufruhr, da man nie vorab weiss, wen es treffen könnte. Neben Selmas " seherischen Fähigkeiten" gibt es noch einen Optiker, der seine Liebe für Sie versteckt und die Enkelin Luise, die sich in einen Mönch verliebt.




Meine Meinung: 

Ich muss gestehen, dass es mir wirklich schwer fällt über dieses Buch zu berichten.
Mit großen Vorschusslorbeeren, habe ich angefangen zu lesen und war auch sofort gefangen in der Geschichte und dem großartigen Schreibstil von Mariana Leky.
" Hier war ich, obwohl ich fast überhaupt nicht sehen konnte, mitten im Hier und Jetzt, wie sonst im Wenn und Aber, und ich nahm Fredericks Hand, und dann krachte es sehr laut, und ich war sicher, dass das ein Band war, ein Band, das von meinem Herzen sprang, aber es war der Hubkolben."
Nach dem ersten, recht dramatischen Drittel, musste ich allerdings kämpfen, um überhaupt weiterzulesen. Ich kann gar nicht so genau sagen woran das lag, die Geschichte schleppte sich etwas. Die Figuren " Selma, der Optiker, Marlies etc." waren mir anfangs zu abstrakt, zu distanziert.
Letztlich hat es mich ab der Hälfte wieder gepackt und ich habe es an einem Abend beendet.
Zum Schluss hat es mich auch emotional gut durchgeschüttelt.
Es ist interessant über ein Buch zu berichten, dass mich doch so ambivalent zurück lässt.
Möglicherweise lag es an dem für meinen Geschmack, zu exzentrischen Charakteren, die eine Identifikation erschwert haben.
Die Geschichte und Begebenheiten waren mir tendenziell auch zu absurd erzählt.
Die eigentliche Entwicklung der Menschen dieses Dorfes ist ganz wunderbar und wird durch die vielen Absurditäten abgeschwächt.
Eine tiefere Emotion wurde bei mir erst zum Ende hin ausgelöst und da wäre ich fast gar nicht hingekommen, das wäre dann doch bedauernswert gewesen.
" Und dann hört man nur noch das Rauschen, das entsteht, wenn so ein Satz an einem Ort gesagt wird, der sehr weit weg ist von dem Ort, an dem er gehört werden muss."
Freundschaft, Tod, Liebe, Gewohnheit, Verlässlichkeit, Mut, Beständigkeit, Heimat, Wagnis und Fernweh- all diese großen Themen sind in diesem Buch enthalten und in außergewöhnlicher Form angesprochen. Bei mir musste es erst ein wenig " nachwirken", um entscheiden zu können, dass ich das Buch mag.
Mir wäre stellenweise " weniger mehr gewesen", trotzdem ist der besondere Schreibstil von Marianna Leky ganz wunderbar und allein dies macht das Buch sehr lesenswert!

Freitag, 15. September 2017

Verzetteln oder Entscheiden?


Gestern war mal wieder so ein Tag an dem ich damit beschäftigt war die Visitenkarten für die Buchmesse vorzubereiten.
Und ja, ich habe den ganzen Tag mehr oder weniger daran gesessen und am Schluss NICHTS gehabt.
Mein altes Problem, was sicher der ein oder andere auch kennt.
Man hat eine Vorstellung davon etwas mal eben schnell fertig zu machen und zu beauftragen und dann...
Es ging damit los, dass ich nach einiger Zeit bereits auf zwei verschiedenen Websites für Visitenkarten unterwegs war. Bei der einen waren die Designmöglichkeiten eingeschränkter als bei der anderen.
Dann wollte ich bestimmte Schriften haben, die beide Seiten nicht anboten.
Also Selbermachen. Schriften downloaden, Vorlage erstellen - oh, schwierig ohne Grafikprogramm. Grafikprogramm googlen, downloaden, anfangen, nicht klarkommen- Mist!
Wieder zurück auf Start.
Da waren aber bereits ein paar Stunden vergangen und mein Kopf so strubbelig, dass ich überhaupt nicht mehr wusste was ich wollte.

Und dann natürlich Auftritt des " inneren Kritikers":
 " Die Anderen haben eh bessere Karten, will überhaupt jemand eine Karte haben, sollte die nicht besonders originell sein, wirkt das nicht zu selbstgebastelt?"

Was letztlich zurück bleibt von so einem Tag ist Unzufriedenheit, Selbstzweifel und Ärger.
Ich habe darüber nachgedacht und überlegt, wie es zu diesem " Verzetteln" kommt.
Ja ich bin nicht strukturiert genug, um mir im Vorfeld alles genauestens zu überlegen und dann umzusetzten.
Das weiss ich seit einigen Jahren und habe mich insofern damit arrangiert, als dass ich gerne in die Presche springe und anfange. Dann daran wachse, neue Erfahrungen mache und natürlich auch Fehler mache.
Ich empfinde ich es aber als authentischer, denn wenn ich mir einen Weg konstruieren muss, dann vergeht mir bereits im Vorfeld die Lust mich damit zu beschäftigen und lähmt das dann nicht alles?!

Sicher ist, dass ich möglicherweise entscheidungsfreudiger sein muss.
Begreifen, dass eine Visitenkarte nicht für die Ewigkeit hergestellt wird und der Invest wahrlich überschaubar ist.
Also Entscheiden und Machen und nicht darauf warten die perfekte Karte zu kreieren.
Für die nächsten Vorhaben will ich mir das mal mehr vergegenwärtigen, denn damit kann ich Zeit für andere Projekt einsparen, die von ihrem Volumen sowieso mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Mehr Entscheiden und auf die Prioritäten achten, als konfus verzetteln und sich selber fertigmachen.
Klingt nach einem guten Motto für die kommende Woche.
Allen ein schönes Wochenende!

Freitag, 8. September 2017

Ich habe " Bretonisches Leuchten" gehört....

Auf meinen täglichen Autofahrten gehört meistens ein Podcast oder ein Hörbuch zur Routine.
Aktuell habe ich gerade " Bretonisches Leuchten" von Jean-Luc Bannalec beendet.
Es ist bei Kiepenheuer und Witsch erschienen.
Als Hörbuch wird es ungekürzt von Gerd Wameling gelesen.
" Bretonisches Leuchten" ist der 6. Band aus der Krimireihe über Kommisar Dupin.
Wie der Titel bereits immer verkündet, spielt diese Krimireihe immer in der Bretagne. Bei Bannalec geht es nicht nur um Verbrechensfälle und deren Lösung, viel mehr sind Landschaftsbeschreibungen der unterschiedlichsten Ecken der Bretagne, sowie Kultur und Bräuche ein großer Bestandteil. Selbstverständlich spielt auch das Essen eine wichtige Rolle, so entstand wohl auch 2016 das passende " Bretonisches Kochbuch" .

Zum Inhalt: 

Der allzeit etwas überlastete Komissar Dupin soll mit seiner Lebensgefährtin Urlaub machen und ausspannen. Sie fahren ins Département Côtes-d’Armor im Norden der Bretagne in ein kleines Hotel mit Strand. Für Dupin gibt es nichts schlimmeres als den ganzen Tag nichtstuend am Strand zu verbingen. Vor Ort kommt es dann zuerst zu einem Diebstahl, dann wird ein Anschlag auf eine Lokalpolitikerin ausgeübt und schliesslich verschwindet die Ehefrau eines Hotelgsastes und eine Tote wird im naheliegenden Steinbruch gefunden.
Für Dupin eine willkommene Abwechslung im langweiligen Urlaubsalltag. Allerdings ist er selbstverständlich nicht befugt zu ermitteln, so muss er mit aller List vorgehen und heimlich, ohne dass der zuständige Kommissar oder seine Freundin Claire es mitbekommen.


Fazit:

Wer bei Jean-Luc Bannalec´s Büchern extreme Spannung oder " Splatter" erwartet, sollte sie nicht lesen.
Mir gefällt bei dieser Reihe gerade die beschauliche Erzählweise und die vielen Informationen zur jedoch für sich alleine, so dass man auch sehr gut "quer" einsteigen kann. Die Charaktere sind mit ihren Besondertheiten liebenswert herausgearbeitet und die Fälle sind bodenständig und realitätsnah. Nachdem ich mich durch den 5. Fall etwas durchquälen musste, war ich doch sehr überrascht, dass es Bannalec mit diesem sechsten Buch wieder gelungen ist, frisch und mitreißend zu erzählen.
Mittlerweile höre ich die Reihe sogar lieber, als sie zu lesen. Es gelingt Gerd Wameling sehr gut  mit  angenehmer Stimme, Rollen mit unterschiedlicher Stimmfarbe zu beleben und eine lebendige Atmosphäre zu erzeugen.
" Bretonisches Leuchten " nach meinem Frankreichurlaub zu hören, war natürlich ideal, um die Erinnerungen und die Gegend wieder aufleben zu lassen und das Urlaubsgefühl noch etwas in den Alltag zu retten.😉

Sonntag, 3. September 2017

Renzension " Bevor du weitergehst" von Laura Schroff


Rezension von " Bevor du weitergehst" von Laura Schroff und Alex Tresniowski.


Bibliographische Daten: 

  • Laura Schroff und Alex Tresniowski
  • ins deutsche übersetzt von Marie Rahn
  • erschienen im Diana Verlag München 
  • umfasst 350 Seiten
  • ( Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel " Angels on Earth. Inspiring Stories of Fate, Frienship, and the power of connections bei Howard books)

Zum Inhalt: 


Die Autorin Laura Schroff hat mit ihrem ersten Buch " Immer Montags beste Freunde" einen Spiegelbestseller gelandet. Dort beschreibt sie, wie sie eines Tages in New York an einem bettelnden Jungen vorbeikommt und ihm nach kurzen Zögern zum Essen einlädt. Daraus entwickelt sich ein wöchentliches Ritual und letztlich eine jahrelange Freundschaft.
" Bevor Du weitergehst" resultiert aus diesem ersten Buch. Sie beschreibt, welche Kraft diese Geschichte über den Jungen Maurice entwickelte und wieviel Feedback sie für dieses Buch und auf ihren Vorträgen und Lesereisen erhalten hat.
Viele Menschen, die ihr begegnet sind, haben ähnliche Geschichten erlebt und ihr darüber erzählt. 
So hält man mit " Bevor Du weitergehst" eine Sammlung der unterschiedlichsten wahren Geschichten in den Händen, die Laura Schorff zusammengetragen hat.
Das Buch ist unterteilt in sieben Teile unter die Begriffe:
Nächstenliebe, Bejahung, Zugewandtheit, Aufmerksamtkeit, Einzigartigkeit, Klarheit und Verbundenheit.
Durch die persönlichen Geschichten, die im Anschluss kommentiert bzw. ergänzt werden, sind diese Themen lebendig und erlebbar.
In dem Buch wird deutlich, dass nicht nur durch großen Taten Veränderung geschieht, sondern gerade die kleinen, fast alltäglichen Handlungsweisen viel bewirken können.
" Manchmal,..,müssen wir den anderen einfach zeigen, dass sie uns nicht gleichgültig sind"

Wie hat es mir persönlich gefallen: 


Direkt von Anfang an hat mich das Buch gepackt. Es liest sich sehr gut und die erzählten Geschichten ziehen einen förmlich in das Geschehen. Mich interessieren die Lebensweg von Menschen, die nicht unbedingt gradlinienig sind. Hier werden sie stellenweise über mehrere Jahrzehnte wiedergegeben, so dass man auch immer erfährt " wie die Geschichte ausgegangen ist".
Anfangs berichtet die Autorin viel über das Thema " Nächstenliebe" und ich war fast schon skeptisch, ob es sich hierbei um ein " christlich/ religöses Buch" handelt, was mich persönlich nicht ganz so angesprochen hätte. Weiterhin wird oft von " Engeln auf Erden" gesprochen, auch hier begleitete mich anfangs die Skepsis in zu " esoterische Gefilde" abzutriften.
Beides war allerdings für mich nicht der Fall.
Den ebenfalls häufig verwendete Begriff der " unsichbaren Bänder" fand ich hingegen sehr passend und schön.
"Unsichtbare Bänder verbinden uns alle. Wir würdigen und aktivieren diese Verbindungen durch Nächstenliebe"
Die Geschichten motivieren im Alltag genauer hinzusehen und vielleicht sein eigenes Verhalten ein bisschen zu verändern, um viel zu bewirken.
"...oder sieht man ihn  ( die Welt) als einen Ort voller Verbindungen, Beziehungen und Gelegenheiten für Liebe, Gemeinschaft und inneres Wachstum?"
Hinzuweisen ist darauf, dass das Buch Geschichten aus den USA wiedergibt. Zustände, wie sie dort beschrieben werden, finden in unserem Land in dieser Ausprägung sicher so nicht statt. Es ist in einer recht " amerikanisierten" Form geschrieben, was ab und an als anstrengend empfunden werden kann.
Leider fand ich es im letzten Drittel etwas zu lang, so dass sich "die Inspiration" aus den Geschichten langsam " abnutzt" . Es wurde zum Ende hin etwas etwas zäh, das ist schade.

Fazit:


Es ist ein gutes Buch, dass sich angenehm liest und dass die Weltsicht ein kleines bisschen verändern  und zu neuen Handlungsweisen motivieren kann.
Ein großes Dankeschön an Bloggerportal und Diana Verlag München für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Mittwoch, 30. August 2017

Bemerkenswertes - Theater zum Anfassen!




Am vergangenen Wochenende waren wir beim Theaterfest des Staatstheater Wiesbaden.
Es war eigentlich nur als kleiner Ausflug geplant und war dann doch so viel mehr.

Für alle gab es die Gelegenheit bei verschiedenen Proben live dabei zu sein.
Das Tollste war allerdings, dass man einen Theaterrundgang machen konnte.
So kam man durch die Werkstätten, in denen das Bühnenbild gebaut wurde, unter die Bühne, wo  die Technik erklärt wurde und an der Kostümschneiderei vorbei.

Im Ballettsaal konnte man sich ansehen, wie die Spitzenschuhe vorbereitet werden und konnte original Tütüs anprobieren. Das Theater in Wiesbaden hat aktuelle einen neuen GMD ( General Musik Direktor) angestellt und bot die Möglichkeit Patrick Lange in seinem Büro persönlich kennenzulernen und alle Fragen zu stellen, die interessierten.
Dabei erfuhren wie auch, dass am Sonntag eine neue kindgerechte Inszenierung der " Zauberflöte" von Mozart Premiere hat. Wir hatten Glück und bekamen noch 4 Karten, so dass wir am Sonntag wieder im Theater waren.
Auch hier die Überraschung: eine interaktive Zauberflöte- noch nie gesehen.
Sehr humorvoll mit einer " moderierenden Putzfrau", die nichtsingende Nebendarsteller ( Kinder ) aus dem Publikum auf die Bühne holte und so alle mitfieberten.
Von der Aufführung von 1,5 Std. ohne Pause, kindgerecht zusammengefasst und mit wunderbaren Fotoleinwandeffekten, waren alle restlos begeistert.
Wünschenswert, dass es solche Inszenierungen öfters gibt, um Kindern den Zugang zu Theater und Oper schmackhaft zu machen.
Abschliessend war es ein phantastisches Wochenende, dass unseren Kindern zum einen die Möglichkeiten der Berufsauswahl im Bereich Theater aufzeigte und den Zugang zu diesem auf einer anderen Ebene ermöglichte!

Vielen Dank an das tolle und freundliche Team des Staatstheaters für diese brilliante Ausübung des Bildungsauftrags!

Montag, 28. August 2017

The Young Pope - eine Betrachtung aus zwei Blinkwinkeln

Mein Mann Curt und ich, haben im letzten Jahr die Serie " The young Pope" gesehen und waren begeistert.

Bei uns stellt sich eigentlich ziemlich schnell heraus, ob uns ein Film oder eine Serie gefällt. Ist die Story zu durchschaubar und clichéhaft, so schalten wir meist direkt weiter.
Fesselt uns das Gesehene, dann schauen wir uns beim Abspann an. " Geil!" und sind begeistert.
So ging es und auch bei " The Young Pope". Da wir diese Begeisterung allerdings selten wirklich analysieren, hatten wir die Idee, dies hier nun einmal zu versuchen und aus unserer beider Blickwinkel zu berichten

Sky,HBO,Canal+
Zur Serie:

" The Young Pope" ist eine italienische Serie in ennglischer Sprache von Paolo Sorrentino ( The Grande Belleza- die große Schönheit ( 2013); Ewige Jugend - Youth (2015)) für Sky Atlantic, HBO und Canal+ entwickelt.
Premiere war am 21.10.2016. Sie beinhaltet 10 Episoden und ist hochkarätig besetzt mit Jude Law, Diane Keaton, Ludivine Sagnier u.v.m.

Mein Blickwinkel:

Natürlich fängt mich die Serie im ersten Augenblick mit einem phantastisch gut aussehenden Jude Law als Papst Pius der XIII. ( fiktiv). Ein junger schöner Papst tendiert vielleicht etwas zu sehr zum Thema " Dornenvögel", wird aber sofort durch seine irritierende Art zunichte gemacht.
" The Young Pope" nur auf den Hauptdarsteller zu reduzieren, wäre jedoch deutlich zu wenig.
Diese Serie ist hervorragend besetzt ( u.a. Diane Keaton) und auch die anderen Nebendarsteller passen durch ihre Gesichter und ihr Spiel perfekt in das Geschehen.
Paolo Sorrentino durfte nicht im Vatikan drehen und baute alles entsprechend nach, was ihm so gut gelungen ist, dass die Darsteller und die Umgebung absolut authentisch wirken.
Die unglaubliche Bildsprache ist das zweite Element, dass mich direkt in die Geschehnisse hineinzieht. Gepaart mit der unterlegten Musik, gelingt es Sorrentino enorm viel Information ohne Dialoge zu transportieren. Kameraeinstellungen und Schnitt ergeben ein perfektes Gesamtbild das wirklich künstlerisch ist, ohne bemüht oder gewollt zu wirken.
Nun muss ich sagen, dass ich grundsätzlich beim Fernsehen nicht auf solche Details achte, aber hier ist es ein herausragendes Moment.
Die Figur des fiktiven Papst Lenny Belardo, der eigentliche Name des, als ersten Amerikaners gewählten Papstes, ist interessant. So schwankt man des öfteren zwischen Bewunderung, Ablehnung und Mitleid.
Die Brüche, die hervorgerufen werden durch die eigenen Vorstellungen, wie ein Geistlicher zu sein hat, und gleichzeitig einen noch jungen Mann mit sehr profanen Angewohnheiten ( er trainiert und raucht) zu sehen, sind sehr gelungen. Der Charakter ist vielschichtig, so ist er als Junge im Waisenhaus " abgegeben" worden und immer noch auf der Suche nach seinen wahren Eltern bzw. nach der Liebe dieser. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt Schwester Mary, die er als Vertraute an den Vatikan holt und die ihn als Waise betreut hat.
Er scheint zunächst den Ränkespielen der Kardinäle unterlegen zu sein, die hofften mit der Wahl eines so jungen Papstes eine einfache Steuerung zu erhalten, entwickelt sich aber Folge um Folge mehr zur wahren Führungsperson.
Er ist von Anfang an irritierend, hat nicht unbedingt etwas gütiges und man ist unsicher welche Belange er forciert.
Ein weiteres Begeisterungsmoment für mich ist der Aspekt der Spiritualiät, der hier auch unabhängig von der katholischen Kirche betrachtet werden kann und muss.
Die wahre Essenz des Seins und des Handelns wird als entscheidend dargestellt und weniger die Rituale der Kirche, diese wirken stellenweise sogar absurd.
Der Papst hat Eingebungen und besondere Fähigkeiten, bereits schon als Kind, die ihn in direkte Verbindung mit einer göttlichen Macht bringen. Diese kristallisieren sich immer mehr heraus und weisen die " Vatikanuntertanen" immer mehr in ihre Schranken und zeigen seine eigentliche Macht.

Für mich war diese Serie gerade deswegen anziehend, weil ich nicht katholisch und auch nicht evangelisch bin.
Reduziert man sich hier nur auf einen Skandal für die katholische Kirch und die unkonventionelle Darstellung des Papstes, wird man " The Young Pope" nicht gerecht.
Viel tiefer geht die Aussage über die Zerissenheit und das spirituelle Vermögen jedes Einzelnen, getrennt von den klassischen Vorgaben der Kirchen.
Ich hatte verschiedene Kommetare zur Serie in den Zeitungen gelesen und hatte das Gefühl, dass ich etwas völlig anderes gesehen habe, als die Journalisten, die darüber berichteten.
Das Ganze auf ein " House of cards" oder " Madmen" im Vatikan zu beschränken, erschliesst sich mir nicht. Sicher ist dies aber auch eine der Serien, in der der Zuschauer auf unterschiedlicheste Weise angesprochen wird.
Phantastische Dialoge und Reden, kombiniert mit einer unvergleichlichen Bildsprache und unterlegt mit Musik, die wiederum mit einem Augenzwinkern alles zulässt.
Absolut lohnenswert!

Curt´s Blickwinkel:   


„Dieser Papst ist Geil!“
Geil! Aber so richtig geil! Das sind die Worte. Soweit ich mich erinnern kann. Nach einem Moment des Schweigens. Der Abspann läuft. Man starrt auf die laufenden Namen ohne sie zu lesen, hört die Musik. Das Geschaute klingt nach. Weich im Abgang würde der Weinkenner vermuten. Was für ein Tropfen! Aber es geht nicht ums Saufen. Es geht um ein Stück Fernsehen. Aber Holla! Was für Stück! Ein geiles Zeug. Und geil meint: Etwas das wirkt. Etwas was dich erreicht. Eindringt, in die Tiefe geht, etwas was einfach so tut, als gebe es diese widerliche Hornhaut im eigenen Bewusstseins nicht, die Schicht die sich gebildet hat, als automatischer Schutz vor dieser verdammten Mittelmäßigkeit des Schauens, des sich berieseln lassen von lausigem Talent, zu fahrig, zu müde, zu bequem. Ach, was soll es. Lass laufen. Fastfood macht auch satt …und wie! Aber genug davon.
Sorrentino ist das egal. Dem Young Pope ist es auch egal. Ein sturer Drecksack. Kommt daher wie ein alter Meister. Scheiß auf das Genre. Es geht um die alten Themen. Macht, Liebe, Vergebung, Verführung, Hingabe, Verrat, Selbstaufgabe, Heiligkeit und Niedertracht und natürlich nie endende Spekulation über das Wirken Gottes. Also Mystik und davon ohne Ende. Da passen dann auch die alten Meister.
Allein das Serien-Intro - eine Gnade. „All along the Watchtower“ als Titelsong. Neu arrangiert von Devlin. Eine exzellente Wahl. Wir dürfen nicht vergessen, wir sind im Vatikan. Mauern wohin das Auge blickt. Symbolik das die Heide wackelt. Jude Law sieht aus wie die blühende Sünde. Der letzte Blick in die Kamera, - ein Augenzwinkern. Ein: - gleich werde ich es denen besorgen und dir mein Freund oder Freundin, der du meinst du könntest hier der allgemeinen Intimität beiwohnen ohne wirklich beteiligt zu sein, kriegst auch einen vor den Latz.“ - Sorry. Unbefleckte Empfängnis ist hier nicht. 
Ja, man will es nicht zugeben. Das Ding kann einen anschießen. 
Aber was verdammt trifft einen denn da? Frage gestellt. Schon verloren. Denn genau hier liegt der Haken. Catch 22. Denkt man drüber nach- ist man schon drin. Denke nicht an rosa Elefanten! Ihr kennt das.
Also, was ist im Programm? Zwingende Story, magische Bilder, fein gezeichnete Erotik, Erzählrhythmus auf den Punkt, Dialoge mit philosophischer Tiefe,- seid Matthew McConaugheys einsamer Vorstellung als „Rust Cohle“ in „True Detective“ wieder mal eine Perle - Protagonisten und Statisten mit Gesichtslandschaften zum Niederknien, - perfekte Musikauswahl. Aber, und genau hier beginnt das Dilemma, es sind nicht die Details. Es ist das Ganze. Findet ein Chirurg die Schönheit, während er die Selbige zerschneidet? Wohl kaum. Ist nicht ein Meisterwerk nur als solches zu bezeichnen, wenn sich alle Teile auf zauberhafte Art zu einem Ganzen fügen? Aber wie beschreibt man einen Zauber? Ja, also irgendwie…. Und rumms, landet man auf dem Arsch. Gib auf Looser!
Ok, was gibt es noch? Vielschichtigkeit und Tiefe. Welche Schicht man betritt, wenn man dem jungen Papst folgt, liegt natürlich in der eigenen Persönlichkeit und sicher auch an den momentanen Umständen, in denen uns dieses Meisterwerk erreicht. Große Kunst - und darüber reden wir hier,-  wird immer auch Verborgenes anbieten. Also los. Macht euch auf die Suche. Die Chancen stehen gut, dass es sich lohnt.

Zum Schluss. Was mir persönlich besonders gefällt, - und es ist nicht leicht hier eine Entscheidung zu treffen- ist die Menschlichkeit die dieses Werk zitiert. 
Eine traurige, anrührende Menschlichkeit, die vor dem Hintergrund ihrer allgegenwärtigen Vergänglichkeit in ihren besten Momenten das nach außen trägt, was ihr Bestes ist.  
Man kann den Menschen die in ihrer Kunst solches darstellend erschaffen einfach nur danken. Tue ich sehr gerne. Danke Leute! Ist richtig geil euer Papst und ganz sicher auch heilig.




Montag, 21. August 2017

Eine Million Minuten- eins meiner Herzenbücher

Sicher kennt Ihr auch diese Bücher, die wie gute Freunde sind.
Wenn man sich dem Ende nähert, dann beschleicht einen ein leise Trauer und ein Abschiedsgefühl.
Diese Bücher, meine Herzenbücher, haben einen besonderen Platz in einem besonderen Bücherregal. Es sind nicht allzuviele, da es nur die Bücher dorthin schaffen, die mich tief berühren und die mich mitnehmen auch auf eine eigene Reise.



" Eine Million Minuten" von Wolf Küper ist so eine Geschichte.
Das Buch ist 2016 bei Knaus erschienen mit einem Umfang von 255 Seiten.
Es ist die Geschichte von Wolf Küper und seiner Familie.

Zum Inhalt:
Wolf Küper führt ein erfolgreiches Arbeitsleben als Gutachter bei den Vereinten Nationen, ist viel unterwegs und verdient ordentlich. Dann kommt seine Tochter Nina auf die Welt. Es stellt sich heraus, dass Nina sich nicht so schnell entwickelt, wie Kinder in ihrem Alter es tun und viele Dinge mehr Zeit braucht. Es geht langsamer.
Eines Abends bittet Nina ihren Papa, dass er " eine Million Minuten - nur die ganz schönen Dinge" mit ihr verbringen soll.
Diese Bitte verändert alles. Wolf Küpers hinterfragt sich, seinen Beruf, sein Leben bisher und entscheidet dann mit seiner Familie den großen Schritt zu tun und sich " eine Millionen Minuten" Zeit zu nehmen.
Sie lassen Deutschland, den Beruf, ihre Wohnung, große Teile ihres Haushalt zurück und Reisen nach Thailand, quer durch Australien und um die Südinsel Neuseelands.

                                 
                                    " 1 Million Minuten =
                                       1 000 000 / ( 24*60)= 694 Tage = ca. 2 Jahre" 

Was diese Zeit mit ihm, seinen Kindern und der Familie macht, beschreibt er auf eine persönliche, humorvolle  und anrührende Art.
Zunächst die Hürden und Bedenken in Deutschland alles zurückzulassen und die " vermeintliche Sicherheit" aufzugeben.
Dann die tatsächlichen Begebenheiten sich von den Dingen, die man so besitzt zu trennen und auch da teilweise auf Unverständnis zu stoßen.

                   " Bis zur allerletzen Sekunde bevor der Flieger abhob, dachte ich immer, uns käme bestimmt etwas von diesem sogenannten Realistischen dazwischen."

Wunderbar berichtet er über die Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen auf dieser Reise und deren Geschichten.
Natürlich lebt dieses Buch durch Ninas Blickwinkel auf die Dinge und Fragen des Lebens, der die eigenen " erwachsene" Denkweisen hinterfragt.
Die teilweise mathematisch/ statistische Betrachtung von Wolf Küper zu Thema Zeit und Träume zeigt auf, dass das " Aufschieben von Träumen" keine Option sein kann.

" Wenn es also einen absolut todsicheren Weg gibt, Träume niemals zu verwirklichen, muss man darauf warten, dass man irgendwann alles gleichzeitig hat. Kraft und Gesundheit und Geld und Zeit und Fantasie." 

Es ist für mich ein sehr motivierendes Buch, dass Mut macht seinen eigenen Weg zu gehen und seine Ängste, und die Befürchtungen anderer, kritisch zu hinterfragen. 
Es zeigt, welche Kraft es geben kann seinen eigenen Weg zu leben und wie bereichernd es für alle Beteiligten sein kann.
Den " freien kindlichen" Blick von Wolf und Nina, sollte man viel öfter in seinen Alltag integrieren, dazu muss man aber auch bereit sein, zuzuhören. 
Deshalb gefällt mir auch noch besonders gut der letzte Satz der Danksagung im Buch:

" Liebe Nina, lieber Simon, ich danke Euch für alles! Was machen wir heute?"

Eine klare Leseempfehlung - ohne Garantie für ihre Auswirkung!;)

 

" Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky - Rezension

Dieses Buch ist mir von verschiedenen Seiten auf den sozialen Medien begegnet und die allgemeine Begeisterung hat mich neugierig gemacht. D...